Panel Discussion Open Science

Open Science — Offenheit in Zeiten der Konkurrenz

Eine Podiumsdiskussion mit Christina Riesenweber, Jana Hoffmann, Konrad Förstner und Marion Goller. Moderation: Angela Grosse.

Offene Wissenschaft bietet die Chance, gemeinschaftlich Erkenntnisse auszutauschen, um Forschungsergebnisse zu falsifizieren und den wissenschaftlichen Fortschritt und die gesellschaftliche Debatte nach bestem Wissen zu fördern. Obwohl die Realität der Wissenschaft dieser idealistischen Vision nicht entspricht, weil politische, ökonomische und soziale Unwägbarkeiten eine offene Zusammenarbeit behindern, sehen wir dennoch ein breites Spektrum an Formen, in denen Forscherinnen und Forscher innerhalb und über Institutionen, Disziplinen und Länder hinweg zusammenarbeiten.

Trotz dieser bestehenden Zusammenarbeiten teilen Wissenschaftler_innen vor allem die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeit. Sollte aber nicht das Teilen von Problemen im Mittelpunkt stehen, um gemeinschaftlich Lösungen zu erarbeiten? Diese Vorstellung erscheint geradezu naiv, wenn wir uns das heutige Wissenschaftssystem anschauen, in dem um begrenzte Ressourcen „gekämpft“ wird. Aber der Bedarf ist da, wie die Erfolgsgeschichte des „Journal of Unsolved Questions“ zeigt. Zudem erhöht das offene Kommunizieren von Problemen die Chancen eine Person mit dem richtigen Know-how zu finden. So erst können neue Lösungen entstehen, die von Einzelpersonen oder kleinen Gruppen nicht entwickelt werden können. Das ist extrem wichtig, weil immer mehr Themen nur im Miteinander der unterschiedlichen Disziplinen lösungsorientiert bearbeitet werden können. Die Forschungsthemen Biodiversität, Teilchenphysik oder Digitalisierung sind dafür populäre Beispiele.

Die Idee der Offenen Zusammenarbeit könnte die wissenschaftliche Praxis radikal verändern, wenn wir es schaffen, Offene Wissenschaft vor allem als kulturellen Wandel zu verstehen, der nicht einen rein technischen Fokus besitzen sollte. Doch wie lässt sich das Idealbild der Offenen Wissenschaft unter den gegebenen Bedingungen des Wissenschaftsbetriebs, bei dem die Drittmittelvergabe an persönliche Publikationsleistungen in renommierten Journalen verknüpft ist und die Berufsaussichten für den Nachwuchs mehr als unsicher sind, realisieren? Wie können wir einen kulturellen Wandel herbeiführen, in dem die Leistungen für Offene Wissenschaft auch im Wissenschaftssystem beispielsweise bei Promotionen, Tenure-Verfahren und Berufungen anerkannt werden? Welche Voraussetzungen im „Kleinen“ müssen realisiert werden, so dass auch an Universitäten Offene Wissenschaft zum Standard gehört? Was muss in der Ausbildung geleistet werden, damit der wissenschaftliche Nachwuchs Offene Wissenschaft als Standard betrachtet? Was können Hochschulen und Forschungseinrichtungen konkret tun, um diese Entwicklung zu ermöglichen und nachhaltig zu verankern?

Diese und weitere Fragen sollen auf dem Panel und mit den Besucherinnen und Besuchern diskutiert werden, um Voraussetzungen für einen kulturellen Wandel zu formulieren.


Wann: 14.02.2018, 6pm-8pm
Sprache: Deutsch

Video:



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