Ein kurzer Blick zurück und dann nach vorn

Vor über zwei Jahren hatte ich die Idee für diese Veranstaltung und in den letzten Monaten konnte ich sie mit tatkräftiger Unterstützung von Lyudmila Vaseva endlich umsetzen. Was will ich mit dieser Veranstaltungsreihe erreichen?

Die Informatik, vor allem der Einfluss der Informatik auf unsere Gesellschaft, hat sich in den letzten Jahren tiefgreifend verändert. Die von uns als Softwareingenieurinnen und -ingenieuren konstruierte Software ist zunehmend unsichtbar, eingebettet in alltägliche Gegenstände, vernetzt und alle Lebensbereiche durchdringend. Die in der Informatik entwickelten Technologien stellen eine Kulturleistung dar, denn diese Technologien beeinflussen gesellschaftliche und kulturelle Prozesse. Die Beispiele dafür sind aus den Medien bekannt: Sei es der „Arabische Frühling“, bei dem die Vernetzung ganz wesentlich über Facebook erfolgte oder der Bias von Algorithmen, die die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Straffälligkeit von Personen vorhersagen. Aber die Veränderungen sind auch viel alltäglicher Natur, wie bei der Nutzung der Google Suche, bei dem der Suchalgorithmus unter anderem in Abhängigkeit von vorhergehenden Suchen arbeitet.

In unserem täglichen Leben werden mittlerweile fast alle unsere persönlichen und beruflichen Interaktionen digital vermittelt. Eine Entwicklung, wie das viel diskutierte IoT (Internet-of-Things), welches die zunehmend intelligenten Gebrauchsgegenstände miteinander vernetzt, verbindet die digitale Welt noch nahtloser mit der physischen Welt. Die Folge: die bereits angesprochene Durchdringung aller Lebensbereiche.

Informatikerinnen und Informatiker beeinflussen mit ihrer Entscheidung über die Zusammenstellung der Trainingsmenge für Machine Learning-Algorithmen, der Nutzung von Verschlüsselungstechniken bei der Nachrichtenübertragung oder mit der Entscheidung, ob der Quellcode, die Forschungsdaten oder Lehrmaterialien offengelegt werden, genau diese Lebensbereiche. Mit der Entscheidung über die Art der Implementierung und der Verwendung der genutzten Technologien, bestimmen wir damit über deren mögliche (Nach-)Nutzung. Diese Dimension unseres Handelns möchte ich mit der Veranstaltungsserie sichtbar machen. Denn wir müssen das Berufsbild verändern. Die Betrachtung dieser gesellschaftlichen Auswirkungen muss Teil der technisch-mathematischen Ausbildung werden. Das war die Ausgangsidee – ich wollte diese Diskussion an die Freie Universität bringen und damit eine Diskussion initiieren, die nicht auf das Institut für Informatik begrenzt bleiben soll. Sie braucht den Dialog aller Wissenschaftsdisziplinen – die Ergebnisse dieses Dialogs werden nicht nur die Curricula der Informatikausbildung verändern (müssen).

In den vergangenen Monaten konnten wir Persönlichkeiten aus sehr unterschiedlichen Bereichen der Wissenschaft und Gesellschaft gewinnen und freuen uns nun auf die nächsten 16 Veranstaltungen. Innerhalb dieser Veranstaltungen wollen wir die genannten Überlegungen auf ein breiteres Fundament stellen und besser nachvollziehen, welchen Einfluss Offene Technologien auf unsere Gesellschaft haben.

Mein herzlichster Dank für das Gelingen dieser Veranstaltung gilt Wikimedia Deutschland, die dieses Projekt mit viel Ausdauer begleitet haben, dem Präsidium der Freien Universität Berlin, welches die Veranstaltung im Rahmen des Offenen Hörsaals fördert sowie dem Institut für Informatik, insbesondere der Frauenförderkommission, die unser Konzept bereits von Anfang an unterstützt hat.

Wir, Dr. Dominik Scholl (Wikimedia Deutschland) und ich, werden am 18.10.2017 unsere Vortragsreihe einleiten. In dem Vortrag “Freies Wissen für Wissenschaft und Gesellschaft — Fallbeispiele und Perspektiven” werden wir konkrete Projekte aus unserer Arbeit vorstellen, die Freies Wissen in Wissenschaft und Gesellschaft fördern. Wir freuen uns auf die Diskussion mit Ihnen!

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